Dein Volontariat soll sich lohnen!

Veröffentlicht am 28.07.2021 von Veronika Weiss
© Konstantin Odin

Ein Volontariat kann zum perfekten Einstieg ins Berufsleben werden, meint Veronika Weiss. Aber zu oft habe es in der Praxis einen fahlen Beigeschmack, denn: Für Verlage, Kultur- und Medienhäuser ist das Volontariat gesetzlich nicht klar definiert. "Fordere dein Recht aufs Lernen ein", rät Weiss. 

Es ist nicht leicht, nach dem Studium in der Buchbranche Fuß zu fassen. Ein Praktikum reiht sich ans nächste, und wenn ein Volontariat in greifbare Nähe rückt, fühlt sich das wie ein Hauptgewinn an. Und ja, das Volo kann zum perfekten Einstieg ins Berufsleben werden. Aber zu oft hat es in der Praxis einen fahlen Beigeschmack.

Für Verlage, Kultur- und Medienhäuser ist das Volontariat nämlich gesetzlich nicht klar definiert. Diese besondere Form des Angestelltenverhältnisses wurde aus dem Journalismus übernommen. Dort ist ein Volontariat fest an Bedingungen für eine fundierte Ausbildung geknüpft, aber diese Verknüpfung hat sich leider im neuen Umfeld gelöst …

Tatsächlich werden Volontär*innen auch im deutschsprachigen Raum oft als billige Arbeitskräfte verstanden und (aus)genutzt.

Missverständnisse und Missstände

Möglicherweise ist ein grundlegendes Missverständnis etymologisch zu erklären: Der Begriff „Volontariat“ kommt aus dem Französischen („volontaire“ heißt „freiwillig“) und steht auch im Englischen für ehrenamtliche Arbeit („to volunteer“). Tatsächlich werden Volontär*innen auch im deutschsprachigen Raum oft als billige Arbeitskräfte verstanden und (aus)genutzt.

Das Versprechen, auf das sich man sich immer einigen kann, lautet: Du bekommst im Volontariat die Gelegenheit, tief in den Berufsalltag deiner Branche einzusteigen und dir ein bis zwei Jahre lang das Praxiswissen anzueignen, das dir nach dem Studium fehlt. Dieses Versprechen kann unterschiedliche Ausmaße annehmen. Viel Verantwortung zu tragen, ein vollwertiges Teammitglied zu sein, das mag im ersten Moment verlockend klingen … Aber fühl dich nicht geehrt, wenn du ganz allein Autor*innen oder Titel – es sollen auch schon ganze Imprints gewesen sein – betreuen darfst! Die bittere Wahrheit ist: Das liegt weniger an deiner Erfahrung und Kompetenz, sondern eher am Mangel an Budget für eine volle Stelle.

Fühl dich nicht geehrt, wenn du ganz allein Autor*innen oder Titel – es sollen auch schon ganze Imprints gewesen sein – betreuen darfst! Die bittere Wahrheit ist: Das liegt weniger an deiner Erfahrung und Kompetenz, sondern eher am Mangel an Budget für eine volle Stelle.

Nutze die Chance, deine Ausbildung abzurunden!

Der faire Deal für ein geringeres Gehalt ist, dass du langsam einsteigen und lernen darfst. Es hat Vorteile, in der Hierarchie ganz unten angesiedelt zu sein: Du genießt den sprichwörtlichen Welpenschutz und kannst fragen, soviel du willst. Wenn du dein Recht aufs Lernen einforderst, wirst du von verschiedenen Abteilungen und Kolleg*innen so viel erfahren wie vielleicht nie wieder und deutlicher erkennen, wohin du mit deinen Stärken am besten passt.

Ich persönlich bin nach einem Praktikum als Elternzeitvertretung in denselben Verlag zurückgekehrt und bis heute geblieben. Ein gutes Volontariat ist mir also „durch die Lappen gegangen“. Aber ich durfte glücklicherweise schon als Praktikantin alle Abteilungen durchlaufen, eine große Leser*innenbefragung mitmachen und mich ausprobieren, immer begleitet von Kolleg*innen, die mir kompetent und liebevoll zur Seite standen. Da war viel Glück im Spiel – aber nur darauf darf man nicht vertrauen.

Wenn du dir ein Volontariat mit fairer Bezahlung, Ausbildungsplan, guter Betreuung, Messebesuch und einem aussagekräftigen Zeugnis wünschst, informier dich am besten vorab bei den Jungen Verlags- und Medienmenschen; die vergeben das Gütesiegel für Volontariate an Verlage, Agenturen und andere Medienhäuser. Und wenn du schon volontierst – tritt erst recht für gute Bedingungen ein und nimm alles mit, was geht! Sonst verschenkst du eine wertvolle Orientierungshilfe, die für deinen ganzen Berufsweg entscheidend sein kann.

ZUR KOLUMNISTIN

Veronika Weiss (36) ist in Wien aufgewachsen und hat dort Germanis­tik und Musikwissenschaften studiert. Nach Praktikum und Elternzeitvertretung bei HarperCollins in Hamburg arbeitet sie dort als Lektorin und nebenbei frei als Texterin. Im Börsenblatt schreibt Weiss unter anderem über Trends in der Arbeitskultur, Berufseinstieg und Work-Life-Balance.