Hobbys im Lebenslauf: Hilfreich oder überflüssig?

Veröffentlicht am 19.05.2022 von Jeanette Hermeler
Sollte man Hobbys im Lebenslauf nennen?
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Bei einer Bewerbung gibt es viel zu bedenken - unter anderem, ob und welche Hobbys im Lebenslauf stehen sollten. Was interessiert Personaler*innen an Ihren Aktivitäten? Welche machen einen guten Eindruck? Welche sind negativ besetzt? Dieser Artikel gibt Ihnen Tipps, wie Sie mit Ihren Interessen im Lebenslauf punkten.
 

Interessen im Lebenslauf angeben oder weglassen? 

Eine Bewerbung legt Ihre beruflichen Kompetenzen und Erfahrungen dar. Ihr Privatleben geht Ihren zukünftigen Arbeitgeber streng genommen nichts an. Doch mit geschickt ausgewählten Hobbys im Lebenslauf heben Sie sich positiv von anderen Bewerber*innen ab. Das erhöht Ihre Chancen, zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Die meisten Personaler*innen möchten gern etwas über Ihre Aktivitäten in der Freizeit erfahren. Dadurch können sie sich ein besseres Bild von der Persönlichkeit hinter der Bewerbung machen.

Falls Sie Berufseinsteiger*in sind, nehmen Sie unbedingt Hobbys in den Lebenslauf auf. Sie haben schließlich noch nicht viele berufliche Erfahrungen und Qualifikationen vorzuweisen. Durch passende Interessen machen Sie glaubhaft, dass Sie sich für den angestrebten Beruf eignen. Bei einer Bewerbung um einen Ausbildungsplatz zur Friseurin könnten Sie beispielsweise angeben, dass Sie gern Ihre Freundinnen frisieren und schminken. Der angehende Eventmanager kann sich an der Uni bei der Organisation des Semesterballs beweisen. Setzen Sie bei einer Bewerbung als Quereinsteiger*in ebenfalls auf zum Berufsfeld passende Hobbys. Damit erhöhen Sie Ihre Chancen auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch.

Sind Sie erfahren in Ihrem Beruf, ist die Angabe von Hobbys in der Bewerbung optional. Ihre bisherigen Stellen belegen Ihre Qualifikation. Falls der Platz im Lebenslauf knapp wird, lassen Sie Ihre privaten Interessen weg. Ihre beruflichen Stationen sind wichtiger. Haben Sie noch Raum übrig, geben Sie gern Hobbys an. Diese verleihen Ihrer Bewerbung eine individuelle Note.
 

Hobbys im Lebenslauf richtig angeben - Tipps 

Ihre privaten Aktivitäten gehören im Lebenslauf an den Schluss. Legen Sie dort eine Kategorie an, beispielsweise "Weitere Kenntnisse und Interessen". Dort listen Sie zunächst Fremdsprachen, EDV-Kenntnisse, Führerscheine usw. auf. Als letzter Unterpunkt folgen Ihre Interessen. Junge Berufseinsteiger*innen können diese als "Hobbys" betiteln. Beachten Sie in Ihrer Bewerbung die korrekte Schreibweise mit y. "Hobbies" ist im Deutschen ein Rechtschreibfehler. Ältere Bewerber*innen schreiben besser "Interessen". Das klingt seriöser. Für ein Ehrenamt bietet sich im Lebenslauf ein eigener Unterpunkt an. Dadurch heben Sie es hervor.

Geben Sie im Lebenslauf maximal vier Hobbys an. Falls Ihre Interessen zeitintensiv sind, beschränken Sie sich auf eine oder zwei Angaben. Ansonsten fragen sich Personaler*innen, ob Sie überhaupt Zeit und Energie für Ihren Job übrighaben. Führen Sie Ihre Hobbys in Stichpunkten an. Beginnen Sie mit denen, die für die Stelle relevant sind. Achten Sie auf eine spezifische Angabe, besonders bei gängigen Hobbys. Damit heben Sie Ihre Bewerbung von der Masse ab. Schreiben Sie im Lebenslauf statt "Kochen" beispielsweise "Vegetarische Rezepte ausprobieren" und statt "Handball" "Handball im HV Muster". Falls vorhanden, nennen Sie Erfolge oder Ziele: "Turnen (bayerische Juniorenmeisterin)", "Reisen (alle europäischen Hauptstädte besuchen)". Ins Anschreiben gehören Hobbys nur, wenn sie Ihre Argumentation unterstützen, warum Sie für die Stelle geeignet sind.
 

Geeignete Hobbys im Lebenslauf - Beispiele 

Eine Personalerin zum Thema Interessen im Lebenslauf: "So gut wie jede*r reist und kocht gerne. Da denke ich mir bloß, wer reist denn nicht gerne und isst nicht gerne lecker? Gefühlt ist das auch der aktuelle Zeitgeist. Bei ungewöhnlichen Hobbys im Lebenslauf merke ich auf oder bei Ehrenämtern und Sozialem. Das zeigt mir, dass der- oder diejenige auch an andere denkt und nicht nur an sich selbst. Das finde ich gut und es passt zu unserer Unternehmenskultur."

Welche Interessen im Lebenslauf machen Sie für Personaler*innen interessant? Das hängt von der Stelle ab, auf die Sie sich bewerben. In der Tabelle finden Sie häufige Hobbys und was diese über Ihre Persönlichkeit aussagen. Die genaue Interpretation hängt von der individuellen Sichtweise der Personaler*innen ab. Außerdem spielt die Formulierung im Lebenslauf eine Rolle. Beispiel "Kochen": "Kochen für Freunde" stellt Sie in der Bewerbung als geselligen Menschen dar. "Neue Rezepte ausprobieren" beweist, dass Sie offen für Neues sind.

Tipp: Überlegen Sie, welche Ihrer Hobbys die in der Stellenanzeige geforderten Soft Skills belegen.

Hobby/Interesse im Lebenslauf
 

Mögliche Aussagen über Ihre Persönlichkeit
 

Mannschaftssport (z.B. Fußball, Basketball, Handball, Hockey)
 

Teamfähig, leistungsfähig, bei Wettkämpfen: ehrgeizig, erfolgshungrig
 

Individualsport (z.B. Tennis, Leichtathletik)
 

Leistungsfähig, Einzelkämpfer*in, bei Wettkämpfen: ehrgeizig, erfolgshungrig
 

Ausdauersport (z.B. Joggen, Schwimmen)
 

Durchhaltevermögen, geduldig, zielstrebig, belastbar
 

Erholsame Sportarten (z.B. Yoga, Pilates)
 

Stressresistent, gelassen
 

Status-Sportarten (z.B. Golf, Segeln, Reiten)
 

Prestigeträchtiges soziales Umfeld, Kontakte knüpfen
 

Musik machen, Singen, Tanzen
 

Kreativ, gesellig, diszipliniert, geduldig
 

Digitale Hobbys (z.B. Video-bearbeitung, Grafikdesign, Fotografie)
 

Kreativ, sorgfältig, versiert im Umgang mit digitalen Anwendungen
 

Bloggen, Twittern, YouTuben
 

Trendbewusst, offen für Neues, affin für neue Technologien, kommunikativ
 

Malen, Basteln, Handarbeiten
 

Kreativ, sorgfältig, neugierig, geduldig
 

Theater spielen
 

Kreativ, kommunikativ, lernfähig
 

Kochen, Backen
 

Kreativ, sorgfältig, gesellig, experimentierfreudig, offen für Neues
 

Handwerken
 

Handwerkliche Fähigkeiten, sorgfältig
 

Gärtnern
 

Bodenständig, zuverlässig, aufrichtig, naturverbunden
 

Fremdsprachen lernen
 

Diszipliniert, wissbegierig, lernfähig, offen für fremde Kulturen
 

Ehrenamtliche Tätigkeit
 

Sozial kompetent, bereit für Verantwortung, uneigennützig, teamfähig, bei Berufs- und Quereinsteiger*innen: evtl. Praxiserfahrung im angestrebten Bereich
 

Reisen
 

Aufgeschlossen, weltoffen, eigeninitiativ
 

Sammeln (z.B. Briefmarken)
 

Diszipliniert, ordnungsliebend, genau, geduldig
 

Lesen
 

Diszipliniert, geduldig, neugierig, bei Fachliteratur: lernfähig, interessiert am Beruf, relevantes Wissen
 

Ein Hobby, das für den Job relevant ist, gehört auf jeden Fall in den Lebenslauf. Damit beweisen Sie, dass Sie für Ihren Beruf brennen. Kenntnisse, die Sie in Ihrer Freizeit erwerben, kommen Ihrem Unternehmen direkt zugute.

Beispiele für berufsrelevante Aktivitäten in der Freizeit:

  • Social Media-Managerin betreut ehrenamtlich den Auftritt ihres Sportvereins in den sozialen Netzwerken.
  • Arzt betreibt einen Blog zu Gesundheitsthemen.
  • Kfz-Mechatronikerin restauriert Oldtimer.
  • Ingenieur liest Fachliteratur zu seinem Spezialgebiet Energiewende.

Tipp: Betrachten Sie die Hobbys in Ihrem Lebenslauf aus Sicht Ihres zukünftigen Arbeitgebers. Was hoffen oder befürchten Personaler*innen bei dieser Aktivität?
 

Welche Hobbys lassen Sie in der Bewerbung besser weg? 

Ihre Freizeit dürfen Sie gestalten, wie es Ihnen gefällt. Doch nicht alles davon gehört in Ihren Lebenslauf. Was unpassende Hobbys für eine Bewerbung sind, hängt vom Job ab. Außerdem spielen persönliche Ansichten der Personaler*innen eine Rolle. Generell sollten Sie sich gut überlegen, folgende Interessen im Lebenslauf zu erwähnen:

  • Extremsportarten (Bergsteigen, Drachenfliegen, Fallschirmspringen, Motorsport usw.): Ihr zukünftiger Arbeitgeber könnte bei dieser Angabe im Lebenslauf befürchten, dass Sie häufig verletzt ausfallen. Zudem zeugen diese Hobbys von hoher Risikobereitschaft. Für verantwortungsvolle Jobs ist diese Eigenschaft nicht erwünscht.
  • Kampfsportarten: Neben verletzungsbedingten Fehlzeiten befürchten Personaler*innen bei Jobs mit Kundenkontakt unschöne Blessuren im Gesicht.
  • Computerspiele/E-Sports: Diesem Hobby haftet immer noch ein negatives Image an. Es steht für geringe Sozialkompetenz. Ausnahme: Sie bewerben sich in der Gamingbranche.
  • Fernsehen/Kino/Netflix: Dies sind passive Zeitvertreibe und kein Arbeitgeber wünscht sich passive Mitarbeiter*innen. Haben Sie bereits zwei aktive Hobbys im Lebenslauf genannt, dürfen Sie als letztes ein passives angeben. Konkretisieren Sie es und machen Sie es damit interessanter, zum Beispiel: "Dokumentationen zu historischen Themen ansehen". "Musik hören" ist ebenso passiv, gilt allerdings als positiv besetzt.
  • Freunde treffen: Diese allgemeine Angabe im Lebenslauf erweckt den Eindruck, dass Sie auf andere angewiesen sind, um Ihr Leben zu gestalten. Überlegen Sie, was Sie mit Ihren Freund*innen regelmäßig unternehmen. Eignet sich eine dieser Aktivitäten als Hobby für die Bewerbung?
  • Shoppen: Das gilt als oberflächlicher Zeitvertreib und macht deshalb im Lebenslauf keinen guten Eindruck. Außerdem könnte Ihr zukünftiger Arbeitgeber befürchten, dass Sie häufig um eine Gehaltserhöhung bitten werden.
  • Ausgehen: Kein Arbeitgeber möchte Mitarbeiter*innen, die montags müde und verkatert zur Arbeit erscheinen. Mag sein, dass Sie maßvoll feiern, aber das wissen die Personaler*innen nicht.
  • Faulenzen/Chillen/Schlafen: Erholen ist wichtig, taugt aber nicht als Hobby für den Lebenslauf. Die Angabe "Schlafen" finden manche Personaler*innen allerdings witzig. Zudem lässt sie darauf hoffen, dass Sie in der Regel ausgeruht zur Arbeit erscheinen werden.
  • Angeln/Jagen: Auf diese Hobbys reagieren viele Menschen ablehnend (Tiere töten).
  • Religiöses/politisches Engagement: Mitgestalten ist positiv, doch Religion und Politik sind bei der Bewerbung zweischneidige Schwerter. Möglicherweise passen Ihre Ansichten nicht zu denen des Unternehmens. Falls Sie nicht sicher nicht, was Ihr Wunscharbeitgeber von Ihrem Engagement hält, lassen Sie es im Lebenslauf weg.
  • Erfundene oder übertrieben dargestellte Hobbys: Schreiben Sie nur Aktivitäten in Ihren Lebenslauf, die Sie tatsächlich regelmäßig ausüben. Rechnen Sie im Vorstellungsgespräch mit Rückfragen - vor allem, wenn es sich um ungewöhnliche Hobbys handelt. Dabei kommt schnell heraus, ob Sie sich tatsächlich auskennen.

Tipp: Falls im Vorstellungsgespräch Rückfragen zu Ihren Interessen im Lebenslauf gestellt werden, bringen Sie ruhig Ihre Begeisterung zum Ausdruck. Aber nur kurz - kehren Sie rasch zu Ihrem beruflichen Engagement zurück. Ansonsten erwecken Sie den Eindruck, dass Ihr Hobby Ihnen wichtiger ist als Ihr Job. Das mag zutreffen - Ihr zukünftiger Arbeitgeber muss das aber nicht erfahren.
 

Gelungene Anschreiben und Lebensläufe verfassen 

Sicher haben Sie viele Fragen zu Ihrer Bewerbung: Was gehört außer Ihren Hobbys noch in den Lebenslauf? Wie sieht ein gelungenes Anschreiben aus? Wie überzeugen Sie Personaler*innen mit Ihren Unterlagen? Die anerkannten Bewerbungsexperten Hesse/Schrader zeigen Ihnen in Training Schriftliche Bewerbung zahlreiche Beispiele und geben hilfreiche Tipps. Viel Erfolg mit Ihrer nächsten Bewerbung!

Training Schriftliche Bewerbung