Angenehm netzwerken

Veröffentlicht am 30.08.2021 von Veronika Weiss
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In einer Branche, in der viele Introvertierte arbeiten, ist das Netzwerken  manchmal gar nicht so einfach. Wie geht Socializing so, dass es einem entspricht und nicht zur Bürde wird? 

Was sind das für Menschen, die sich gern mit Literatur beschäftigen? Man sagt »Leseratten« zu ihnen oder »Bücherwürmer«. Ratten und Würmer – wenig schmeichelhaft. Aber ein Körnchen Wahrheit ist schon in diesen Bezeichnungen zu finden. Wir stecken unsere Nasen lieber in Bücher statt in anderer Leute Angelegenheiten und werden bei der Lektüre ungern unterbrochen. Sich wegen der Pandemie zu Hause verkriechen? Kein Problem. Aber deshalb auf gute Kontakte verzichten? Damit sollten wir uns nicht abfinden.

Klein, aber fein

Beruhigend ist, dass ein gutes Netzwerk nicht unbedingt groß ist. Niemand muss versuchen, zum Hansdampf in allen Gassen zu werden. Viel wichtiger: Wählen Sie Ihre Kontakte immer Ihrer Persönlichkeit und Ihren Ambitionen entsprechend. Es nutzt ja nichts, sich von Gespräch zu Gespräch zu quälen und immer mehr zu verkrampfen. Wenn man aber jemanden trifft, der ähnliche Leidenschaften und (Lese-)Vorlieben hat, eine angenehme Art und einen ähnlichen Humor – dann hat man automatisch gute Gespräche und tut sich leichter, aus sich herauszugehen. Auch eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist unter diesen Voraussetzungen wahrscheinlicher, besonders dann, wenn das Gegenüber einen selbst in den Fähigkeiten ergänzt.

Wenn man mal Telefonnummern ausgetauscht hat, ist das Kontakthalten auch gar nicht mehr so schwer: mal eine kurze Text- oder Sprachnachricht, ein Foto des neuen Lieblingsbuchs … Je ungezwungener der Kontakt, desto leichter fällt es auch, ab und zu mal anzurufen oder sich im »real Life« zu treffen. Nichts ersetzt ein persönliches Gespräch.

Je ungezwungener, desto besser

Einen leichten Einstieg ins fröhliche Networking bieten die Jungen Verlags- und Medienmenschen. Deren digitales Jahrestreffen Anfang Juli fühlte sich an wie eine Zusammenkunft von Freunden, so fröhlich war es. Die Themenwahl war topaktuell, die Modera­tion ausgezeichnet, scheinbar trockene Folien waren mit lus­tigen Memes verziert. An die JVM-Themen unter vier Augen anzuknüpfen, macht einfach Freude. Bei diesem oder einem ähnlichen Glücksfall wird das Netzwerken irgendwann ein Selbstgänger, auch für Introvertierte. Wenn Ihnen die Initia­tive trotz allem noch Bauchschmerzen bereitet, nehmen Sie sich feste Zeiten zur Kontaktpflege. 

Kalkül ist fehl am Platz

Denken Sie bitte nicht, dass Sie sich trotz schlechten Gefühls mit Leuten herumschlagen müssen, die Ihnen vermeintlich nützlich sein könnten. Echtes persönliches Interesse und eine ähnliche Wellenlänge lassen sich nicht gut vortäuschen. Außerdem weiß man nie, was kommt, und vielleicht ist die ruhige Praktikantin, mit der man ein paar Gemeinsamkeiten hat, schon übermorgen die neue Chefin.

Zur Person:

Veronika Weiss (36) ist in Wien aufgewachsen und hat dort Germanistik und Musikwissenschaften studiert. Nach Praktikum und Elternzeitvertretung arbeitet sie in Hamburg als Lektorin in der Verlagsgruppe HarperCollins (Cora Verlag) und nebenbei frei als Texterin. Im Börsenblatt schreibt Weiss unter anderem über Trends in der Arbeitskultur, Berufseinstieg und Work-life-Balance.