Mit »Ach so ...« entwaffnen

Veröffentlicht am 28.07.2021 von Marcus Schuster
Claudia Berghaus © Tabea Marten

Wie können weniger schlagfertige Menschen manipulativen Gesprächspartnern etwas entgegensetzen? Rhetoriktrainerin Claudia Berghaus kennt die Tricks für Angriff und Verteidigung. 

In ihrem Buch »Dirty Tricks: Wie Sie unfaire rhetorische Tricks durchschauen, verbale Angriffe abwehren und schlagfertig reagieren« (Goldegg) entlarvt die Berliner Rhetoriktrainerin Claudia Berghaus manipulative Verfahren in der Kommunikation und erklärt, wie man sich wehren kann. 

Sie beschreiben zehn unfaire Tricks, die wohl jeder schon einmal erlebt hat – von »instrumentalisierender Schmeichelei« bis zu »Überrumpeln durch offenes Bloßstellen«. Steckt wirklich immer eine bewusste Taktik dahinter?
Ich denke ja. Im Sinne Paul Watzlawicks könnte man sagen: Man kann nicht nicht manipulieren. Das fängt schon bei der Kleidung an, die sich wiederum auf die Körpersprache auswirkt. Ich habe zehn unfaire Mittel beschrieben, andere in eine emotionale Falle zu locken – aber sicher gibt es viele mehr. Nicht nur rhetorisch, sondern auch in Form von Verhaltensweisen.

Wer sind die »dirty Trickser«?
Das lässt sich nicht verallgemeinern. Aber mit Sicherheit passiert es aus einer Führungsposition heraus eher, weil der andere nicht so reagieren kann, wie er vielleicht möchte. Mein Buch zeigt einfache Maßnahmen, wie man sich selbst innerhalb von hierarchischen Strukturen behauptet.

Erst durchatmen und entspannen – viel Leidensdruck entsteht, weil Leute auf alles sofort einsteigen.

Claudia Berghaus

Geben Sie uns ein Beispiel.
Man sitzt in einer Konferenz und hört, dass das eigene Vorhaben angeblich nicht funktionieren werde. Am besten ist es, wenn man sich erst einmal kurz entspannt und nicht sofort reagiert. Ich bin seit über zehn Jahren Trainerin und merke immer wieder, dass der Leidensdruck der Menschen nur daher rührt, dass sie auf alles sofort einsteigen. Man kann zum Beispiel innerlich bis drei zählen. Dann versucht man, das Totschlagargument, ich nenne es die Killerphrase, umzudrehen und mit einer interessierten Frage die Kommunikation wieder in Gang zu bringen: »Was muss das Unternehmen tun, damit es funktioniert?« Im Idealfall kommt man also ohne Gegen­angriff aus. Es hilft immer, das Gesagte aufzugreifen und ins Positive umzukehren. »Sind Sie heute wieder launisch!« – »Ja, da hätten Sie mich mal gestern sehen sollen!« Manchmal genügt übrigens auch ein einfaches »Ach so ...«, um den Gesprächspartner zu irritieren. 

Warum fällt uns trotzdem meistens erst im Nachhinein ein, was wir in einer Situation am besten entgegnet hätten?
Weil wir uns zu wenig mit unserem eigenen, souveränen Stil beschäftigen. Dirty Tricks zielen auf die Beziehungsebene. Je klarer ich weiß, wo ich stehe und was ich mir gefallen lassen darf oder eben nicht, desto besser werde ich kommunizieren können – egal, ob ich es mit einem unfairen Gegenüber zu tun habe oder nicht. Auswendig lernen von Antworten nutzt nichts. Man braucht die richtige innere Haltung, nach dem Motto »ja, ich habe eine piepsige Stimme. Aber super Inhalte.« Dann kann man jeden dirty Trick vom Sockel holen.