Mutig in die Postpandemie

Veröffentlicht am 31.08.2021 von Sarah Omphalius
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Was haben Sie in den Lockdownphasen für Ihre Weiterbildung getan? Wer sich im Moment um eine Stelle bewirbt, könnte genau das gefragt werden. Ein Plädoyer für selbstbewusstes Auftreten in diesem Fall.

Vor der Pandemie war Selbstoptimierung die Devise. Dann kam Covid-19, und der Verlust von Kontakten und einer klaren Tagesstruktur bereitete vielen Menschen Probleme. In diesem Zusammenhang wurde viel über psychische Widerstandskraft geschrieben. In der Postpandemie könnte es noch einmal sehr wichtig werden, diese psychischen Widerstandskräfte zu stärken.  
 


Eine Freundin hat gerade ihre ersten Bewerbungsgespräche geführt. Eine Frage wurde immer wieder gestellt: Wie haben Sie die Pandemie genutzt, um sich fortzubilden? Haben Sie eine neue Sprache gelernt? Oder ein »passion project« verwirklicht? Tatsächlich gibt es Menschen, die die Pandemie produktiv nutzen konnten, das gilt aber lange nicht für alle. Deshalb scheint diese Messlatte absurd, hatten und haben wir doch alle genug damit zu tun, Covid-19 überhaupt zu überstehen. Die meisten jungen Menschen hatten bisher nicht einmal die Möglichkeit, sich vollständig impfen zu lassen und zuverlässig zu schützen.


Mehr Mut

Momentan können die Arbeitgeber aus einer größeren Zahl von Bewerber*innen auswählen. Neben den Studien­absolvent­*innen kommen auch Personen wieder auf den Arbeitsmarkt, die sich während der Pandemie vor allem der Care-Arbeit gewidmet haben, hinzu kommen Menschen, die wegen der Einstellungsstopps erwerbslos geblieben sind, sowie solche, die sich während der Pandemie beruflich umorientiert haben. Human-Resource-Expert*innen sprechen gar von einem »Talent-Tsunami«. Trotzdem sollte man sich nicht davon abhalten lassen, Bewerbungen zu schreiben, sondern es als Ansporn sehen, mehr zu wagen. Da nach dem Einstellungsstopp wieder mehr Stellen angeboten werden, können sich ungeahnte Chancen ergeben. Ich halte es für falsch, die Präpandemiemaßstäbe der Selbstoptimierung ungefiltert auf die jetzige Situation anzuwenden. Wir brauchen aus meiner Sicht ein nachhaltigeres Verständnis von Resilienz.

Bei Arbeitgeber*innen könnte das heißen, dass sie Bewerber*in­nen erklären, was sie während der Pandemie für die Stabilität der Mitarbeiter*innen getan haben. Dadurch könnten innovative Modelle entstehen, die helfen, auch neue Mitarbeiter*innen zu stärken und in den Betrieb zu integrieren.

Für jeden Bewerbenden ist es wichtig, sich zu verdeutlichen, wie viel er oder sie auch ohne Bescheinigung während der Pandemie geleistet hat. Selbstmanagement, Flexibilität, Kommunikation und die Fähigkeit, neue Strukturen zu schaffen – das alles war im Universitäts- und / oder Arbeitsalltag noch nie so stark gefordert wie während der Pandemie. Es sind genau die Kompetenzen, die jetzt im Arbeitsleben gefragt sind. Auf jeden Fall sollte man mit Selbstvertrauen in die Zukunft blicken. Ganz gleich, ob man sich eine Lis­te schreibt, um die Leistungen der schwer fassbaren Pandemiezeit festzuhalten, sich Bestätigung im Austausch mit anderen holt oder sich einen der vielen bekannten Resilienztipps zu Herzen nimmt, wichtig ist vor allem: Auch der Weg aus der Pandemie ist zu schaffen.

Sarah Omphalius studiert Buchwissenschaft und Komparatistik an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz und Mediendokumentation an der Universidad Complutense de Madrid. Bei den Jungen Verlags- und Medienmenschen ist sie als Schriftführerin im Vorstand tätig und moderiert das Team des jährlichen Weiterbildungstags. Im Börsenblatt schreibt sie über Branchenthemen aus Sicht einer Young Professional.